Personalisierte Gesundheit

Personalisierte Gesundheit

Titel

Personalised health preservation, precision medicine, precision nutrition and innovations in functional foods

 

Autoren

Alexander G. Haslberger, Heidrun Karlic

 

Zusammenfassung

Die Gesundheit zu erhalten und die Vorbeugung von Krankheiten sind zentrale Ziele für einen gesunden Lebensstil und eine gesunde Ernährung. Die molekularen Mechanismen des Alterns, die vorzeitiger Alterung und die Entwicklung komplexer, alterungskorrelierter Erkrankungen werden Schritt für Schritt analysiert. Konzepte des „gesunden Alterns“ und Versuche die Lebesspanne zu verlängern haben zu wissenschaftlich fundierten Innovationen in der Präzisionsmedizin und Präzisionsernährung geführt.

Das schnell wachsende Wissen der Genetik und Epigenetik zeigt die Bedeutung der individuellen Regulation der Genexpression und der DNA-Integrität durch Umweltfaktoren oder Ernährung. Darüber hinaus zeigt auch die detaillierte Charakterisierung persönlicher Aspekte des menschlichen Mikrobioms die Notwendigkeit systemischer OMIC-Ansätze zum Verständnis von Erkrankungsmechanismen und Markern für diese. Die Bereiche Nutrigenetik und Nutriepigenetik analysieren Mechanismen und Marker in diesem Bereich.

Die Verwendung molekularer Marker ermöglicht die Erfassung einsetzender molekularer Mechanismen von Krankheiten und mögliche Interventionen bereits vor dem Auftreten von Symptomen. Medizinische und ernährungsphysiologische, diätetische Prävention und Intervention werden deshalb verstärkt personalisiert. Diese Entwicklungen führen zu einer vorbeugenden und personalisierten Krankheitsvorsorge. Marker aus den Bereichen Genetik, Epigenetik, Mikrobiota, Genexpression und Metabolomik werden zunehmend für eine optimierte, persönlichen Vorsorge und Intervention integriert. Medikamente, funktionelle Lebensmittel und Ernährung werden zur personalisierten Behandlung identifizierter, molekularer Mechanismen eingesetzt.

Ein verstärktes Bewusstsein für Möglichkeiten zur Erhaltung der Gesundheit hat die Entwicklung von funktionellen Lebensmitteln und speziellen Ernährungskonzepten vorangetrieben. Dies schließt auch die verstärkte Nutzung wissenschaftlich anerkannter Konzepte der Kalorienreduzierung und des Fastens ein. Ausgewählte Bakterien, Algen, Zellen oder Pflanzen sowie deren Metaboliten oder Extrakte werden auf gesundheitsfördernde Wirkungen untersucht und zu funktionellen Lebensmitteln entwickelt. Die wissenschaftliche Literatur zeigt die oft überwältigende Informationsflut über ihre Aktivitäten in verschiedenen Gesundheitsbereichen. Hauptinteressensgebiete sind Krebsentstehung, Stoffwechsel- und Nervenkrankheiten sowie Immunfunktionen.

Eine verwirrende Reihe von Begriffen für funktionelle Lebensmittel, Lebensmittelzusatzstoffe, diätetische Lebensmittel, medizinische Lebensmittel, Lebensmittel mit funktionellen Aspekten wie epigenetischen aktive Lebensmitteln, SIRT-Lebensmittel, senolytische Lebensmittel und viele anderen entwickelten sich rasch. Regional sehr unterschiedliche Definitionen, Konzepte zur Sicherheitsbewertung und Vorschriften erschweren die wissenschaftlich fundierte Nutzung der vielversprechenden Möglichkeiten zur Erhaltung der Gesundheit in diesem Bereich. Im Szenario einer zunehmend wohlhabenden und gealterter Gesellschaft besteht eine wachsende Nachfrage nach ganzheitlichen Konzepten zur personalisierten Erhaltung der Gesundheit. Dies zeigt auch der neue, schnell wachsende Trend zum Biohacking von Technologie interessierten KonsumentInnen.

Die Notwendigkeit der Verwendung von „OMICs“ und Konzepten der Systemtheorie sollten mit dem Verständnis einer integrativen Krankheitsvorsorge zusammenwirken, um „Selbstheilungsprozesse durch regulative und informative Prozesse beim Menschen zu stimulieren, um die Gesundheit zu fördern und zu stärken“ (Salutogenese). Die Nutzung derartiger wissenschaftlich fundierter Möglichkeiten zur personalisierten Erhaltung der Gesundheit bedarf jedenfalls auch einer verbesserten, ausgewogenen Information für KonsumentInnen.